Im eigenen Tempo durch die Welt

Adam Wilkoszarski über Fotografie, Fernweh und die MONoPOLE-Expedition nach Fuerteventura und Lanzarote.

Der polnische Fotograf Adam Wilkoszarski ist bekannt für seine minimalistischen, entschleunigten Bildkompositionen – verlassene Schauplätze, Landschaften mit stiller Präsenz. Das MONoPOLE war nicht Hauptdarsteller, sondern Mittel, sich durch die Landschaft zu bewegen. Im Gespräch mit Adam ging es um Fotografie, ums Unterwegssein auf zwei Rädern – und um die überraschende Erkenntnis, doch ein Toolbike zu brauchen.

Question MONoPOLE

Adam, du hast ja eigentlich gar kein Cargobike gesucht. Wie bist du dann auf MONoPOLE gestossen?

Answer Adam Wilkoszarski

Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr an den allerersten Moment. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es schon lange gesehen hatte, bevor es vermehrt in den sozialen Medien oder auf Plattformen wie bikepacking.com auftauchte. Damals dachte ich einfach, dass es grossartig aussieht – die Proportionen, die Form. Ernsthaft in Betracht gezogen habe ich es jedoch nicht, weil ich nicht dachte, ein Cargobike zu brauchen.

Ich habe keine Kinder, ich habe keine Haustiere. In meinem Kopf waren Cargobikes für einen ganz bestimmten Einsatzzweck gedacht.

Irgendwann tauchte der Gedanke wieder auf, und plötzlich sah ich darin das perfekte Reisebike. Und Jarek – ein Freund von mir – wollte unbedingt eines haben. Das hat den Ausschlag gegeben. Ich bin nicht besonders stolz darauf, aber manchmal braucht man diesen kleinen Schubs.

Question MONoPOLE

Nachdem du nun eine Weile damit unterwegs bist – ist es für dich noch ein Cargobike?

Answer Adam Wilkoszarski

Das ist ja genau der Punkt – ich weiss eigentlich gar nicht, für wen ein «Cargobike» überhaupt gedacht sein soll. Für mich ist das einfach ein normales Velo für eine normale Person, das zufällig Dinge aussergewöhnlich gut transportieren kann.

Was sich sofort verändert hat, war, wie mühelos es den Alltag gemacht hat: Kiste vorne drauf, Sachen reinwerfen – kein Nachdenken über Spanngurte oder Balance. Ich begann, es für Einkäufe und alltägliche Erledigungen zu nutzen. Und plötzlich gehe ich nicht mehr in den nächstgelegenen Laden, sondern in den weiter entfernten – einfach, weil es mir einen Grund gibt, zu fahren.

Wenn man dieses Bike als Cargobike kommuniziert, werden es viele Menschen vermutlich gar nicht erst ausprobieren. Das war anfangs auch mein eigener Denkfehler. Eigentlich ist es eher ein Citybike, das einfach unglaublich leistungsfähig ist.

«Eigentlich ist es eher ein Citybike, das einfach unglaublich leistungsfähig ist.»
Question MONoPOLE

Du bist mit deiner Partnerin und auf einem voll beladenen MONoPOLE gereist. Wie hat das eure Art, gemeinsam unterwegs zu sein, verändert?

Answer Adam Wilkoszarski

Meine Frau ist leidenschaftliche Kletterin, aber Velofahren ist nicht wirklich ihr Ding. Wenn wir zusammen unterwegs sind, gibt es meist ein Ungleichgewicht, weil ich auf dem Velo fitter bin.

Mit dem MONoPOLE wurde alles ausgewogen. Ich übernahm das gesamte Gepäck und die Ausrüstung, sie fuhr ihr schnelles Gravelbike – und plötzlich bewegten wir uns im gleichen Tempo. Es fühlte sich nicht nach Kompensation an, sondern nach Balance.

Allein das hat die Dynamik unseres gemeinsamen Reisens verändert. Das Fahren war kein Kompromiss mehr, sondern etwas, das wir wirklich teilen konnten.

Question MONoPOLE

Wie hat sich das Bike unterwegs bewährt?

Answer Adam Wilkoszarski

Es fühlte sich im Grunde wie ein Gravel- oder Tourenbike an – und genau das hat mich überrascht.

Ich fuhr es mit 2.4-Zoll-Reifen vorne wie hinten, maximal ausgezogenem Radstand und voller Beladung. Zurück zu Hause montierte ich Slicks und stellte den Radstand kürzer ein – und es verwandelte sich in ein ganz anderes Rad: schnell, wendig und spielerisch.

Wir nahmen es sogar mit in den Bus. Es liess sich überraschend unkompliziert im öffentlichen Verkehr transportieren – und genau diese Flexibilität zählt unterwegs.

Question MONoPOLE

Hat mehr Kapazität verändert, was du einpackst – oder wie du Reisen denkst?

Answer Adam Wilkoszarski

Weniger, als man meinen würde – trotz Gepäck für zwei Personen.

Aber es hat definitiv verändert, wie ich über zukünftige Reisen denke. Ich koche leidenschaftlich gern, und meine ideale MONoPOLE-Reise wäre ein Trip mit richtigem Camping Koch-Equipment – Pfanne, Schneidebrett, Messer – und gutes Essen an schönen Orten zuzubereiten.

Genau so stelle ich mir mein nächstes Abenteuer mit dem MONoPOLE vor.

Question MONoPOLE

Früher stand die Fotografie stärker im Mittelpunkt. Wie hat sich dieser Schwerpunkt verschoben?

Answer Adam Wilkoszarski

Ich habe an der Kunstuniversität in Poznań Fotografie studiert und hatte ursprünglich vor, Dokumentarfotograf zu werden. Aber irgendwann begann mich der Druck zunehmend zu belasten.

Velofahren war für mich wie ein Neustart. Schon als Kind war ich viel unterwegs, dann BMX, später arbeitete ich als Velokurier. Als Erwachsener wurde das Zurückkehren zum Velo zu einem Weg, Stress abzubauen – physisch, klar, bodenständig.

Von da an stand das Velo wieder im Zentrum.

Question MONoPOLE

Hast du manchmal das Gefühl, dich entscheiden zu müssen – zwischen Fotografieren und reinem Erleben?

Answer Adam Wilkoszarski

Keineswegs – zuerst kommt das Unterwegssein, alles andere folgt.

Velofahren heisst für mich, im Moment zu sein. Es bewegt sich im idealen Rhythmus – schneller als Gehen, aber ohne die Trennung, die ein Auto schafft. Fotografieren bringt eine gewisse Erwartung mit sich, besonders wenn es dein Beruf ist. Es gibt Tage, da möchte ich die Kamera gar nicht in die Hand nehmen – und das darf auch so sein.

Eine Reise ohne Kamera? Kein Problem.

Übrigens: Video wäre noch einmal eine ganz andere Ebene – Inhalte wie ein YouTuber zu produzieren, würde mir die Freude daran nehmen.

Question MONoPOLE

Du fotografierst auf Reisen oft mit dem Smartphone. Warum?

Answer Adam Wilkoszarski

Auf Reisen hatte ich lange nur mein Handy dabei. Die meisten Bilder auf Instagram fotografiere ich mit dem iPhone.

Ich habe auf dieser Reise eine Vollformatkamera getestet. Doch betrachtet man das Bild auf einem Smartphone, verschwimmen die Unterschiede. Was bleibt, ist die Geschichte – nicht die Pixel.

Question MONoPOLE

Du hast offensichtlich eine enge Beziehung zu Velos. Wie viele besitzt du aktuell?

Answer Adam Wilkoszarski

Einige – für jede Disziplin eines. Ein Rennrad, ein Gravelbike, ein MTB, ein individuelles Dropbar-MTB und ein Citybike mit Schutzblechen.

Die meisten davon sind aus Stahl. Die einzige Ausnahme ist mein Gravelbike – ein altes Titan-Kona. Zwei meiner Räder wurden von Jan von True Love of Cycles in Polen gebaut.

Question MONoPOLE

Deine Bikes scheinen für dich mehr als nur Fortbewegungsmittel zu sein.

Answer Adam Wilkoszarski

Absolut. Ich würde keines davon hergeben. In jedem Rad stecken Erinnerungen, Erfahrungen, ein Stück meines Lebens.

Irgendwann wurde mir bewusst: Eigentlich habe ich schon alles. Doch das MONoPOLE war etwas Neues für mich – eine Lücke, die ich noch nicht kannte. Deshalb kam es dazu. Und deshalb bleibt es.

Question MONoPOLE

Wenn MONoPOLE mehr Haltung als Hardware wäre – wie würdest du es benennen?

Answer Adam Wilkoszarski

Ein Bike, von dem ich lange dachte, es nicht zu brauchen – und das mein Verständnis von Mobilität erweitert hat.